Rechtliche Unsicherheit im deutschen Online-Glücksspiel: EuGH verweist Rückerstattungsforderungen zurück an nationale Gerichte

Eden Schmidt · Jun 26, 2026

Rechtliche Unsicherheit im deutschen Online-Glücksspiel: EuGH verweist Rückerstattungsforderungen zurück an nationale Gerichte

Blick auf den EuGH-Gerichtshof in Luxemburg mit Fokus auf laufende Verfahren zum Glücksspielrecht

Im deutschen Online-Glücksspielsektor halten anhaltende rechtliche Unklarheiten Betreiber und Spieler weiterhin in Spannung, denn der Europäische Gerichtshof verweist Schadensersatzklagen wegen Spielverlusten aus der Zeit vor 2021 konsequent an nationale Gerichte zurück, ohne eine EU-weite endgültige Entscheidung zu treffen. Dieser Ansatz lässt potenzielle Haftungsrisiken für nicht lizenzierte Wetten bestehen, während Verfahren in Deutschland und Österreich trotz mehrerer Vorlagen und früherer EuGH-Stellungnahmen ungelöst bleiben. Beobachter verfolgen die Entwicklung genau, weil die Situation die Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags von 2021 beeinflusst und Betreiber vor unvorhersehbaren finanziellen Belastungen stellt.

Hintergründe der anhaltenden Verfahren

Spieler erheben in mehreren Fällen Forderungen auf Rückerstattung von Verlusten aus Online-Glücksspielen, die vor Inkrafttreten des neuen Staatsvertrags auf Plattformen ohne deutsche Lizenz getätigt wurden, und nationale Gerichte leiten diese Ansprüche an den EuGH weiter, doch der Gerichtshof entscheidet nicht abschließend sondern gibt die Sache zurück. Dadurch entsteht eine Kette von Rückverweisungen, die Verfahren in die Länge zieht und die rechtliche Lage für alle Beteiligten ungewiss lässt. Daten aus Branchenberichten zeigen, dass solche Klagen seit 2023 zugenommen haben, während Gerichte in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Bayern unterschiedliche Auslegungen anwenden.

Die Position des EuGH und seine Vorlagepraxis

Der Europäische Gerichtshof hat in mehreren Rechtssachen betont, dass nationale Gerichte die EU-Rechtskonformität von Glücksspielverboten vor 2021 selbst prüfen müssen, und er vermeidet damit eine zentrale Klärung auf EU-Ebene. Diese Praxis führt dazu, dass Fälle aus Deutschland und Österreich weiterhin offenbleiben, obwohl bereits Vorabentscheidungsverfahren abgeschlossen wurden. Experten der Europäischen Kommission weisen darauf hin, dass die Zurückverweisung den Mitgliedstaaten Spielraum lässt, eigene Regelungen anzupassen, während die Betreiber mit potenziellen Rückzahlungen in Millionenhöhe rechnen müssen. Im Juni 2026 zeichnet sich noch keine Änderung dieser Linie ab, denn aktuelle Vorlagen aus deutschen Instanzgerichten werden erneut auf nationaler Ebene behandelt.

Auswirkungen auf Betreiber und Spieler

Betreiber sehen sich mit der Möglichkeit konfrontiert, dass Verträge aus der Vor-2021-Zeit als nichtig eingestuft werden könnten, was Rückforderungen von Einsätzen ermöglicht und die finanzielle Planung erschwert. Spieler wiederum warten auf klare Signale, ob ihre Ansprüche vor deutschen Gerichten Erfolg haben, und die unklare Lage führt zu einer Zunahme von Einzelklagen in regionalen Amtsgerichten. Eine Studie der Europäischen Glücksspielvereinigung aus dem Jahr 2025 dokumentiert, dass etwa 15 Prozent der untersuchten Fälle in Deutschland und Österreich noch offen sind, wobei die Rückverweisungen des EuGH als Hauptgrund für die Verzögerungen genannt werden. Und hier zeigt sich, dass die föderale Struktur Deutschlands die Umsetzung zusätzlich verkompliziert, weil unterschiedliche Landesbehörden eigene Auslegungen vornehmen.

Symbolbild zu laufenden Gerichtsverfahren im Online-Glücksspiel mit Akten und Richterhammer

Vergleichbare Entwicklungen in Österreich und anderen EU-Staaten

In Österreich laufen parallel Verfahren, die ebenfalls an den EuGH verwiesen wurden und nun wieder bei nationalen Instanzen landen, was die grenzüberschreitende Dimension des Problems verdeutlicht. Forscher der Universität Wien haben in einer Analyse festgestellt, dass die österreichischen Gerichte ähnliche Kriterien wie deutsche Kollegen anwenden, doch ohne einheitliche EU-Richtlinie bleiben Abweichungen möglich. Die Situation in anderen Mitgliedstaaten wie den Niederlanden oder Schweden zeigt hingegen schnellere Klärungen durch direkte nationale Regelungen, während Deutschland und Österreich auf die nächste EuGH-Entscheidung warten. Beobachter der Europäischen Agentur für Grundrechte berichten, dass diese Verzögerungen das Vertrauen in den Binnenmarkt für Glücksspieldienstleistungen beeinträchtigen können.

Ausblick auf weitere Verfahrensschritte bis 2026

Im Juni 2026 bleiben mehrere Vorlageverfahren beim EuGH anhängig, und es wird erwartet, dass weitere Rückverweisungen folgen, bis nationale Gerichte eine eigene Linie entwickeln. Branchenorganisationen wie die European Gaming and Betting Association veröffentlichen regelmäßig Updates zu den laufenden Fällen und betonen die Notwendigkeit klarer Leitlinien für Betreiber. Die ungelöste Lage betrifft vor allem Plattformen, die vor dem neuen Lizenzsystem aktiv waren, und könnte zu zusätzlichen Klagewellen führen, falls Gerichte in einzelnen Bundesländern Spielerverluste als erstattungsfähig einstufen. Forscher des Europäischen Instituts für Rechtswissenschaften haben Modelle entwickelt, die mögliche Haftungssummen auf Basis von Umsatzzahlen aus der Vor-2021-Periode schätzen.

Conclusion

Die anhaltende Praxis des EuGH, Fälle zurückzuverweisen, sorgt dafür, dass die rechtliche Unsicherheit im deutschen Online-Glücksspielsektor auch im Juni 2026 bestehen bleibt und sowohl Betreiber als auch Spieler auf nationale Entscheidungen angewiesen sind. Verfahren in Deutschland und Österreich zeigen, wie eng die Verknüpfung zwischen EU-Recht und nationaler Umsetzung ist, während Daten aus Berichten der Europäischen Kommission die Bedeutung einheitlicher Standards unterstreichen. Weitere Entwicklungen hängen davon ab, ob Gerichte in den Mitgliedstaaten eigene Lösungen finden oder neue Vorlagen den Kreis erneut in Gang setzen.